Marika Wendt
PferdeLesen
Ein Konzept, das Lernverhalten und Kommunikation von Pferden vermittelt – verständlich, praxisnah und alltagsorientiert.
Themenschwerpunkte
Folgenden Fragestellungen können wir in der Zusammenarbeit auf den Grund gehen
Meine Schwerpunkte umfassen das Lernverhalten von Pferden, die pferdegerechte Kommunikation, sowie die praktische Umsetzung im Alltag. Die folgenden Themen setze ich modular und individuell zu einem stimmigen Vortrag zusammen – abgestimmt auf die Interessen der Teilnehmenden und dem vorgesehenen Zeitrahmen. Die Vorträge sind interaktiv gestaltet und bieten Raum für gemeinsamen Austausch, vertiefende Fragen und lebendige Diskussionen.
Die Wahrnehmung der Pferde und die Bedeutung der Sinne im Pferdealltag
Die Sinneswahrnehmung der Pferde bestimmt auch, wie sie ihre Umwelt lesen, interpretieren und darauf reagieren. Pferde sind evolutionär darauf programmiert, kleinste Veränderungen in ihrer Umgebung wahrzunehmen. Jede Abweichung – ein Geräusch, ein Geruch, eine Bewegung, ein neuer Gegenstand – könnte potenziell eine Gefahr sein. Ihre Sinne arbeiten deshalb, wie ein Frühwarnsystem– und genau das erklärt, viele Alltagssituationen, die uns „übertrieben“ erscheinen, für Pferde aber sinnstiftend sind.
Auch die soziale Wahrnehmung ist ein sehr starker Treiber für Reaktionen. Pferde orientieren sich an der Herde und auch an ihrer Bezugsperson. Wenn ein Pferd Spannung zeigt, reagieren andere Herdenmitglieder entsprechend. Das gilt auch für die Beziehung zwischen Pferd und Mensch.
Wenn wir verstehen, wie Pferde ihre Umwelt lesen, können wir Situationen besser einschätzen und unser Verhalten pferdegerecht gestalten. So entsteht ein Miteinander, das Pferden Orientierung gibt und uns hilft, ihre Reaktionen nicht als „Problem“, sondern als Information zu verstehen.
Wie lernen Pferde nachhaltig? Wann entsteht echte Kommunikation?
Eine provozierte Reaktion ist noch keine Kommunikation. Pferde lernen nur dann nachhaltig, wenn sie innerlich beteiligt, emotional stabil und klar orientiert sind. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen: instinktiver Reaktivität (Flucht, Spannung, Abwehr) und echtem Lernen (Verstehen, Verknüpfen, Wiedererkennen). Hier stellt sich die zentrale Frage: Wann lernt das Pferd wirklich – und wann reagiert es reflexhaft? Und welche Faktoren entscheiden darüber, ob ein Verhalten generalisiert wird oder nur situativ abrufbar bleibt.
Wie prägt unser täglicher Umgang das Lernen der Pferde?
Der Alltag ist der größte Lernraum: Führen, Putzen, Anbinden, Füttern, Herdenwechsel, Stallroutine – all das formt die Erwartungen und Reaktionen des Pferdes. Training am Boden und im Sattel baut darauf auf. Ein inkonsistenter Alltag kann jede Trainingseinheit erschweren; ein klarer Alltag kann sie tragen. Ein Pferd lernt immer – auch außerhalb geplanter Trainingseinheiten.
Lernverhalten vs. Trainingsmethoden: Ein entscheidender Unterschied
Lernverhalten beschreibt biologische und psychologische Prozesse, durch die Pferde Informationen aufnehmen, verarbeiten, abspeichern und später wieder abrufen. Trainingsmethoden sind menschliche Konzepte, die darauf aufbauen. Deshalb ist es entscheidend, Techniken so zu wählen, dass sie das natürliche Lernverhalten unterstützen statt überlagern.
Freiarbeit oder Freiheitsdressur – was unterscheidet sie, und wann ist was sinnvoll?
Wie entsteht Druck in Freiarbeit, Freiheitsdressur und Seilarbeit – und wieviel Druck ist vertretbar und sinnstiftend? In der Arbeit mit Pferden – ob frei, an der Hand oder am Seil – üben wir immer eine Form von Druck aus: körperlich, räumlich, oder mental. Entscheidend ist, wie bewusst, wie genau und wie fair dieser Druck eingesetzt wird. Wann unterstützt Druck das Verständnis des Pferdes – und wann wird er zur Belastung? Und wie lässt sich die Körpersprache der Pferde in Freiarbeit, Freiheitsdressur und Seilarbeit einordnen – Sind negative Emotionen immer negativ zu werten?
Ist Schweifschlagen, Ohrenanlegen, angespannte Gesichtsmuskulatur bei der Arbeit mit Pferden immer negativ zu werten?
Pferde zeigen in der Arbeit eine vielfältige Körpersprache: Schweifschlagen, Ohrenanlegen, angespannte Gesichtsmuskulatur, veränderte Atmung oder ein blockierter Bewegungsfluss. Diese Ausdrucksformen sind Hinweise darauf, wie das Pferd die Situation innerlich sortiert und müssen immer in den Kontext gesetzt werden. D.h. die Körpersprache muss im Zusammenhang mit Bewegung, Raum, Beziehung und Aufgabe gelesen werden.
Hier einige Beispiele:
Ein Schweifschlagen — kann Irritation und Anspannung bedeuten, aber auch Konzentration mit hoher Energie anzeigen.
Das Ohrenanlegen — ist ein häufiges Signal für Abwehr oder Unsicherheit, aber manchmal auch für eine hohe Fokussierung.
Eine angespannte Gesichtsmuskulatur — zeigt innere Aktivierung, die sowohl positiv (Engagement) als auch negativ (Stress) sein kann.
Gelassenheit ist das Ergebnis von innerer Ordnung. Wie zeigen Pferde mentale Überforderung?
Was passiert, wenn mentale Überforderung nicht erkannt wird? Wie erarbeiten wie mentale Durchlässigkeit beim Pferd und warum ist das für die körperliche Gelassenheit im Training und im Pferdealltag wichtig?
Ein Pferd das innerlich sortiert ist, kann auch äußerlich gelassen bleiben. Mentale Durchlässigkeit heißt: Das Pferd nimmt Informationen auf, sortiert sie, versteht sie und kann sie ohne innere Blockade in Bewegung umsetzen. Ein mental durchlässiges Pferd ist aufmerksam, organisiert, emotional stabil und bereit mitzudenken. Es hat gelernt sich selbst zu regulieren.
Mentale Überforderung zeigt sich in verschiedenen Ausdrucksformen, wie z.B. Abbruch der Aufmerksamkeit, Verlangsamte Reaktionen, Übermäßige Spannung oder auch Fluchtverhalten. Das sind Informationen für uns, dass das Pferd die Situation innerlich nicht mehr sortieren kann. Wird starke Überforderung häufig übergangen, entstehen Probleme wie Verlust von Vertrauen, steigende körperliche Spannung (die Muskulatur blockiert), Reaktivität statt Lernen und Fehlverknüpfungen — das Pferd lernt „falsche“ Zusammenhänge (z. B. Aufgabe = Stress). Mentale Überforderung ist ein Grund, warum Pferde körperlich nicht durchlässig werden können.
Wie entstehen Übersprungshandlungen wie Schnappen, Kopfschlagen oder Scharren? Wie kann man diesen vorbeugen, sie lindern oder eventuell komplett auflösen?
Übersprungshandlungen entstehen, wenn ein Pferd innerlich in einem Konflikt steckt, den es nicht lösen kann, glaubt es nicht lösen zu können oder noch nicht gelernt hat es zu lösen.
Diese Übersprungshandlungen können sich manifestieren und sich zu einem festsitzenden Muster etablieren. Typische Auslöser sind z.B. Mentale Überforderung, Emotionale Spannung, Erwartungsstress/Ungeduld, missverständliche Signale und/oder zu schnelle Abläufe (das Pferd findet keine Zeit mitzudenken) sowie innere Blockaden – das Pferd möchte reagieren, kann aber nicht.
Welche Stereotypien gibt es bei Pferden? Wie sind diese begründet und welche Veränderungen braucht es, um Stereotypien zu lindern oder aufzulösen?
Stereotypien sind wiederholte, scheinbar zwecklose Verhaltensmuster, die aus einem anhaltenden inneren Konflikt entstehen und einen Leidensdruck zeigen.
Zu den häufigsten gehören:
Weben — rhythmisches Hin- und Herwiegen des Körpers
Koppen — Aufsetzen der Schneidezähne und Luftansaugen
Stallreiten — wiederholtes Laufen entlang einer Wand
Scharren — monotones, rhythmisches Kratzen mit dem Vorderhuf
Kopfschlagen — wiederholtes, oft impulsives Kopfwerfen
Diese Verhaltensweisen sind keine Unarten, sondern Ausdruck eines inneren Leidensdrucks. Stereotypien entwickeln sich durch verschiedene Mangelsituationen:
Z.B. wenn…
…soziale Bedürfnisse nicht erfüllt werden
… der Bewegungsdrang nicht ausgelebt werden kann
… es an Umweltreize fehlt (Reizarmut)
…Konflikte nicht verstanden oder begleitet werden
…Stress chronisch wird
Stereotypien sind Bewältigungsstrategien. Das Pferd sucht, sich selbst zu regulieren, obwohl es äußere Bedingungen nicht ermöglichen. Chronische Stereotypie zeiget sich auch dann noch, wenn die Ursache des Mangels beseitig worden ist. Das Pferd zeigt also „seine erlernte Form“ des Stressabbaus als eine Form der Selbstregulation, weil diese manifestiert und ritualisiert ist. Stereotypien lassen sich nicht konkret „abtrainieren“. Sie lassen sich nur durch Veränderungen im Umfeld und in der Kommunikation lindern oder auflösen.
Welchen Einfluss hat die Haltung auf die mentale Durchlässigkeit von Pferden? Welche Haltung ist das Optimum?
Mentale Durchlässigkeit entsteht nicht im Training allein — sie entsteht im Alltag, im Umgang, in der Herdenstruktur und in der Art, wie ein Pferd leben darf. Die Haltung ist ein starker Faktor und entscheidet auch darüber, wie gut ein Pferd…
…innere Spannung abbauen kann
…soziale Bedürfnisse erfüllt bekommt
…Umweltreize verarbeiten kann
…sich sicher und orientiert fühlt
Es gibt nicht „Die“ Haltung, die für alle Pferde optimal ist. Optimal ist die Haltung, in der das Pferd innerlich ruhig, sozial sicher, körperlich entspannt und emotional stabil leben kann. Ob das ein Offenstall, Aktivstall, Paddocktrail, Box mit Weidegang oder eine Mischform ist, hängt vom Pferd, der Gruppe, der Umgebung und der Betreuung ab.
Was sind Beschwichtigungsmerkmale? Wie sind diese zu lesen? Warum sind sie so wichtig?
Typische Beschwichtigungsmerkmale sind z.B.
• Kopf leicht absenken
• Blinzeln oder Blick abwenden
• Lippenbewegungen
• Leichtes Lecken
• Mini-Bewegungen im Raum
• Körper seitlich stellen
Diese Signale sind nicht als Unterwürfigkeit zu verstehen, sondern als eine Form der Kommunikation: „Ich möchte die Situation ruhig halten.“ Beschwichtigungsmerkmale sind Kontextzeichen. Sie müssen immer im Zusammenhang mit der Aufgabe, der Umgebung, der Beziehung, und dem emotionalen Zustand gelesen werden.
Welchen Einfluss haben Körperbau, Rasse und Zucht auf das Lernverhalten?
Körperbau und Psyche bestimmen auch, wie leicht oder schwer ein Pferd Bewegungen ausführen, Spannung regulieren und Balance finden kann. Das wirkt sich direkt auf das Lernverhalten aus. Körperlich schwere weniger balancierte Typen brauchen oft mehr Zeit, um Bewegungen zu organisieren, dadurch werden auch die mentalen Prozesse stärker beansprucht – das Lernen wird anstrengender. Leichtere und balancierte Körperformen hingegen, können Bewegungsabläufe meistens schneller umsetzen – das Lernen nimmt weniger Energie in Anspruch.
Rassen bringen typische Temperamente, Reaktionsmuster und Reaktionsgeschwindigkeiten mit sich, die das Lernverhalten prägen. Sie geben Hinweise darauf, wie das Pferd Reize verarbeitet und reagiert. Ist das Pferd eher mutig oder vorsichtig, eher kooperativ oder abwartend, eher sensibel oder resilient? Zucht beeinflusst die mentale Grundausstattung.
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